Pressemitteilung
München, 8. April 2025 – Seit den sechziger und siebziger Jahren haben in Europa und weltweit fast alle Großstädte eine innerstädtische Fußgängerzone eingerichtet. Diese zentralen Fußgängerzonen sind durchweg ein großer Erfolg und haben für eine maßgebliche Vitalisierung der Innenstädte gesorgt. Auch München hat seit den Olympischen Spielen 1972 eine solche innerstädtische Fußgängerzone, die seitdem an einigen Bereichen, zuletzt an der Sendlinger Straße und an der Westenrieder Straße gewachsen ist.
DEZENTRALE FUSSGÄNGERZONEN
In den letzten Jahren haben jedoch immer mehr Entscheider*innen in Großstädten verstanden, dass eine einzige zentrale Fußgängerzone nicht mehr ausreicht und man mit dezentralen Fußgängerzonen in den einzelnen Stadtteilen einen großen Beitrag zur Lebensqualität leisten kann. Diese dezentralen Fußgängerzonen sind auch in Bereichen mit Gewerbe und Gastronomie, aber diese haben auch einen hohen Anteil an Wohnbevölkerung und sie sind nicht so stark auf das Shopping orientiert. In den letzten 10 Jahren sind in ganz Europa, wie z.B. in Wien, Berlin, Budapest, Mailand und Paris, aber auch in nordamerikanischen Städten wie Montreal etliche neue dezentrale Fußgängerzonen in den Stadtquartieren entstanden.
Neben dem Gewinn an Aufenthaltsqualität, ergibt sich auch ein ökonomischer Vorteil für die Stadtteile. Seit vielen Jahren hat die stadtplanerische Forschung etliche zentrale und dezentrale Fußgängerzonen vor und nach Inbetriebnahme untersucht und bei fast allen Fußgängerzonen nahm der Umsatz des Einzelhandelsgewerbe und der Gastronomie deutlich zu. Städte profitieren insbesondere von dezentralen Fußgängerzonen, da dann der Einzelhandel nicht mehr so stark auf die Innenstadt fokussiert ist.
WEISSENBURGER STRASSE
Der FUSS e.V. München begrüßt es sehr, dass die Stadt München im August 2024 eine solche dezentrale Fußgängerzone in der Weißenburger Straße in Haidhausen eingerichtet bzw. erweitert hat. Die Mitglieder des FUSS e.V. sind von der angenehmen Stimmung und vom gehenden und sitzenden Zusammenkommen von Jung und Alt begeistert. Besonders schön ist, dass in der Weißenburger Straße im Vergleich zur Fußgängerzone in der Altstadt, sehr viel Anwohner auf der Straße flanieren und sich aufhalten. Man kann ohne weiteres behaupten, dass man in der Weißenburger Straße schon jetzt innerhalb kürzester Zeit – auch im Vergleich mit der Altstadt – von einem vollen Erfolg sprechen kann. Da auch die Rückmeldungen der Bewohner und auch der meisten Gewerbetreibenden positiv ist, setzt sich der FUSS e.V. für eine Verstetigung der Fußgängerzone ein.
VORSCHLÄGE FÜR WEITERE FUSSGÄNGERZONEN IN MÜNCHEN
Zwar gibt es im Arabellapark, im Bavariapark, in der Messestadt, am Theodor-Heuss-Platz, auf der Pasinger Promenade und auch am Hohenzollernplatz durchaus vereinzelt Bereiche, die man als dezentrale Fußgängerzone bezeichnen könnte, jedoch findet der FUSS e.V. München, dass eine Millionenstadt deutlich mehr solcher Attraktivitätsorte braucht. Neben der Weißenburger Straße ist nach Einschätzung des FUSS e.V. besonders auch die Pasinger Promenade zwischen der Kuvertfabrik und dem Bahnhof Pasing eine städtebaulich sehr gelungene dezentrale Fußgängerzone.
Im Folgenden schlägt der FUSS e.V. München mögliche Standorte für neue Fußgängerzonen in einigen Münchner Stadtteilen vor. Diese Fußgängerzonen müssen analog zur Weißenburger Straße keine hundertprozentigen Fußgängerzonen sein, sondern können je nach lokalen Gegebenheiten ggf. frei für Lieferverkehr zu bestimmten Zeiten, für Autoverkehr von Anwohnern mit privaten KFZ-Stellplätzen, frei für Radfahrer in Schrittgeschwindigkeit oder auch für Busse sein. Die Liste soll eine Vorschlagsliste als Denkanstoß sein, basierend auf Vor-Ort-Kenntnissen des FUSS e.V.-München, ausschließlich auf Straßen mit wenig KFZ-Verkehr und ohne überörtlichen Durchfahrtsverkehr. Natürlich kann im Verlauf der Diskussion sich herausstellen, dass andere Standorte besser geeignet sind für eine dezentrale Fußgängerzone.
Besonders geeignet für eine dezentrale Fußgängerzone sind Teile der Türkenstraße in der Maxvorstadt. Der Abschnitt nördlich der Schellingstraße bis zur Blütenstraße oder südlich bis zur Theresienstraße ist geprägt durch viel Gastronomie inkl. Schanigärten und kleinen Geschäften, die durch eine Fußgängerzone und der Reduktion des Kfz-Verkehrs enorm profitieren würden. Eine Zufahrt zu den privaten Kfz-Stellplätzen sollte analog zur Weißenburger Straße weiter möglich sein.
Aber auch die Veterinärstraße mit deutlich weniger Einzelhandel und Gastronomie, würde sich für eine Fußgängerzone anbieten, da dies aktuell eine zentrale Fußwege-Verbindung zwischen der Universität und dem Englischen Garten ist. Hier sollte auf der Fußgängerzone das Radfahren in Schrittgeschwindigkeit erlaubt sein.
Südlich der Altstadt würde die Isarvorstadt von einer Fußgängerzone zwischen dem Gärtnerplatz und dem Reichbachplatz gestalterisch gewinnen. Die Reichenbachstraße hat enorme Fußverkehrsmengen und aktuell nur sehr schmale Gehwege, daher wäre eine Umwidmung sehr vorteilhaft für die Anwohner, die Gastronomie und das Gewerbe.
In der Ludwigsvorstadt südlich vom Hauptbahnhof, könnte man bereits vor der Fertigstellung des neuen Bahnhofgebäudes, durch eine Einrichtung einer Fußgängerzone auf der Schiller- oder Goethestraße eine enorme Verbesserung der Aufenthaltsqualität erreichen.
Im Lehel wäre eine Fußgängerzone in der St-Anna-Straße gut vorstellbar, insbesondere weil es dort länger baustellenbedingt keinen Kfz-Verkehr gab und somit quasi bereits eine Fußgängerzone bestand und es keine nennenswerten Beschwerden bzgl. Probleme bei der Erreichbarkeit des Standortes gab.
Als letzten konkreten Vorschläge würde der FUSS e.V. München noch die Hohenzollernstraße in Schwabing nennen. Die Hohenzollernstraße ist von der Struktur der Geschäfte und Gastronomie sehr ähnlich zur Weißenburgerstraße und würde auch sehr von einer Fußgängerzone profitieren. Es ist echt verwunderlich, dass der berühmteste Stadtteil von München im Jahre 2024 noch keine eigene Fußgängerzone hat. Natürlich ist hier die Herausforderung die notwendige Verlagerung der westwärts laufenden Buslinien 53 und 59. Hier wäre insbesondere in Anbetracht der leider abgebrochenen Planung der Tram-Westtangente, die Linienführung der Busse durch die Franz-Joseph-Straße gut vorstellbar.
Natürlich gibt es auch in den weiter stadtauswärts liegenden Stadtvierteln wie z.B. der Schwanthalerhöhe, Sendling, Giesing und Neuhausen Straßenabschnitte, die für eine Fußgängerzone gut geeignet sind. Der FUSS e.V. München möchte für alle Stadtbezirke Münchens einen Anstoß geben, sich mit dem Thema dezentrale Fußgängerzonen zu beschäftigen und die Verschönerung der Stadteile voranzubringen.

