Lieber einmal richtig als zweimal halb und insgesamt teurer
München, 21.8.2024 — Die Pläne für den Umbau der Lindwurmstraße liegen vor: hier soll vorbildhaft ein fußverkehrsfreundliches Nahversorgungszentrum entstehen mit breiten, sicheren, vom restlichen Verkehr getrennten Fußwegen, mit neuer Aufenthaltsqualität und genug Platz zum Gehen und Verweilen, auch für neue Freischankflächen.
Leider haben Oberbürgermeister Dieter Reiter sowie der Stadtrat nun vor, bei diesem wichtigen Projekt nach der Sommerpause im September/Oktober den Rotstift anzusetzen und es zur Unkenntlichkeit zu reduzieren. Der Radverkehr soll nur provisorisch auf die Fahrbahn verlegt werden, der für das Projekt zentrale Umbau der Fußverkehrsfläche ist plötzlich zu teuer. Es soll auch dort nur ein „Provisorium“ geben, ohne den kompletten Umbau der Gehwege.
AN DER VERKEHRSWENDE FÜR ALLE DRAN BLEIBEN
Es bleibt ein Rätsel, warum die Verantwortlichen der Politik glauben, es sei eine Sparmaßnahme, alles noch mal neu zu planen und nur Stückwerk zu beschließen, und dann irgendwann in der Zukunft vielleicht nach Verkehrssicherheit und stadtplanerischen Gesichtspunkten noch einmal umzubauen. Wer renoviert denn nur ein halbes Bad oder nur die Hälfte des Bodens im neuen Wohnzimmer?
FUSS e.V. fordert die Stadt München auf, lieber verstärkt Mittel für den Fußverkehr zu akquirieren, statt an der falschen Stelle zu sparen! Es steht zu befürchten, dass das „Provisorium“ auf Jahrzehnte hinaus eine dauerhaft halbgare Lösung bedeutet – der nachhaltige Umbau hingegen bleibt auf unbestimmte Zeit vertagt – oder könnte in Zukunft sogar zurückgebaut werden. „Nachtigall, ick hör Dir trapsen“ – wie der Berliner sagen würde.
GESTALTUNG DER GEHFLÄCHEN ZENTRAL FÜR NUTZUNG
Dabei wird übersehen, dass die einheitliche Gestaltung der Bodenfläche ganz zentral ist, damit ein städtischer Raum entsteht, in dem sich Fußgänger*innen wohl und sicher fühlen. Die gelungene, neue Gestaltung der Gehwege in der Zweibrückenstraße ist dafür das Vorbild (siehe Bild).

Die Lindwurmstraße ist eine Einkaufsstraße und ein Stadtteilzentrum. Sie sollte entwickelt werden im Sinne der „Stadt-der-15-Minuten“, mit kurzen und bequemen Wegen für die Besorgungen des Alltags. Nur so kann die Stadt den (Auto-) Verkehr reduzieren und nur so wird der Anteil der Fußgänger*innen steigen. Es braucht eine einheitliche und barrierefreie Gestaltung: Nichts anderes fördert nachhaltig den Fußverkehr und damit die Ziele von Verkehrswende und Klimaschutz.
BODENGESTALTUNG BESTIMMT DIE NUTZUNG
Wird der Fußweg nicht in gesamter Breite mit Gehwegplatten gestaltet, bleibt eine optische Barriere erhalten. Der Raum wird von den Menschen weniger angenommen. Zudem sind die vorhandenen baulichen Radwege auch ohne Benutzungspflicht weiterhin Radwege. FUSS e.V. München fordert daher klar: Die Gehwege müssen in der Lindwurmstraße, insbesondere zwischen Goetheplatz und Poccistraße, dem Fußverkehr vollständig zurückgegeben werden. Das geht nur mit einem Umbau und der eindeutigen Gestaltung mit Gehwegplatten.
Beim Hü und Hott um die Lindwurmstraße ist nach Ansicht von FUSS e.V. viel zu kurz gekommen, welche Chancen der Umbau für eine zukunftsgerichtete Mobilität zu Fuß eröffnen. Der Umbau der Gehwege in der Lindwurmstraße sollte proaktiv für die Förderung des Fußverkehrs und die Erhöhung von Aufenthaltsqualität genutzt werden, z.B. mit neuen Freischankflächen, der Planung von Sitzgelegenheiten und zusätzlicher Begrünung. Die Maßnahmen wären ein geringer Aufwand mit großem Ergebnis.
LINDWURMSTRASSE WIE GEPLANT UMBAUEN!
Der Fachverband FUSS e.V. München appelliert eindringlich an die Stadt München, an Herrn Oberbürgermeister Reiter, die Stadträtinnen und Stadträte und alle Verantwortlichen, das fertig geplante Projekt „Lindwurmstraße“ im Sinne der Verbesserung des Fußverkehrs, der Aufenthaltsqualität und der Stärkung des Nahversorgungszentrums wie geplant zu beschließen und sich nicht mit halbgaren Lösungen, die zum Dauerzustand werden, zufrieden zu geben.

